Elitetruppe der FIFA bestehend aus Schiedsrichtern, Assistenten und Video-Schiedsrichtern mit derselben hochmodernen Infrastruktur wie die weltbesten Spieler
Umfassende Vorbereitung von Team One durch Videoanalysen, Trainingseinheiten und Nachbesprechungen zur Sicherstellung höchster Spielleitungsstandards bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2026™
Kontinuierliche Überwachung der körperlichen Verfassung und Belastung der Spieloffiziellen sowie individuelle und gruppenspezifische Trainingsprogramme für Schiedsrichter und Schiedsrichterassistenten
Sie trainieren jeden Tag in Florida bei hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit und werden dabei von Fitnesstrainern auf Herz und Nieren geprüft. Stundenlang sitzen sie in der Teamzentrale und schauen sich Videos ihrer letzten Einsätze an. Damit sie Spitzenleistungen liefern können, steht ihnen ein Betreuerstab aus Physiotherapeuten, Masseuren, Sportwissenschaftlern und Sportpsychologen zur Verfügung.
Während der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2026™ sieht ihr Tagesablauf so aus: Sie bereiten sich vor, leiten Partien und erholen sich … und dann geht es wieder von vorne los. Das klingt schon ein bisschen nach dem hochprofessionellen Umfeld einer Spitzenmannschaft bei einem Turnier – und genau so ist es auch.
Nur dass in diesem Team keine Fussballer spielen.
Man nennt es „Team One“: die Elitetruppe der FIFA aus Schiedsrichtern, Assistenten und Video-Schiedsrichtern, die dafür sorgen soll, dass jedes einzelne WM-Spiel nach den höchsten Standards geleitet wird, die für das weltweit wichtigste Sportereignis erforderlich sind.
Dass die Vorbereitung und Betreuung moderner Schiedsrichter ebenso intensiv und anspruchsvoll ist wie die von Spitzenspielern, hat einen guten Grund: Der Fussball ist heute schneller und dynamischer denn je, und die Unparteiischen müssen mit den Fähigkeiten der Spieler mithalten können, also unter hohem Druck Entscheidungen im Bruchteil einer Sekunde treffen – und das während der gesamten Spielzeit von über 90 Minuten.
Der WM-Arbeitstag der Mitglieder von "Team One" beginnt mit dem Frühstück im Teamhotel. Die Mahlzeiten entsprechen den Ernährungsstandards von Spitzensportlern und stehen ganz im Zeichen des Teamgedankens, was schon beim ersten Treffen des Tages deutlich wird, bei dem alle Offiziellen bereits ihre pinkfarbenen Trikots tragen.
Im grossen Besprechungsraum im Obergeschoss ist Pierluigi Collina, Leiter von "Team One", FIFA-Schiedsrichterchef und Vorsitzender der FIFA-Schiedsrichterkommission, bereit für die erste offizielle Aufgabe des Tages: Die Bekanntgabe der Einsätze für die kommenden Partien, die für gewöhnlich drei Tage vor Spielbeginn herausgegeben wird.
Collina ist einer der grössten Schiedsrichter aller Zeiten und leitete das Finale der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Korea/Japan 2002™. Er hat sich gerade mit einer Gruppe von Schiedsrichtern und Assistenten vor deren Abfahrt zum Flughafen getroffen, um ihnen noch ein paar aufmunternde Worte und Ratschläge mit auf den Weg zu geben.
Die Nachricht von den Einsätzen ist natürlich ein bedeutender Moment für die Schiedsrichter, von denen einige sogar darauf warten, ihr WM-Debüt zu geben. Für das „1 000. Spiel“ gibt es eine spezielle Ernennung, und der rumänische Schiedsrichter István Kovács wird von seinen Kollegen mit Applaus bedacht, als er das besondere Gedenktrikot entgegennimmt, das er bei dieser Partie zwischen Tunesien und Japan im mexikanischen Monterrey tragen wird.
Am Ende der Besprechung wird Kovács von den anderen Spielleitern beglückwünscht, es gibt Umarmungen und Schulterklopfer – ein Zeichen für den Teamgeist, der während des gesamten Turniers spürbar ist. Der 41-Jährige kann seine Rührung kaum verbergen. Diese Begegnung ist nicht nur ein historischer Moment für die FIFA und den Sport im Allgemeinen, sondern wird auch sein erster Einsatz als Schiedsrichter bei einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ sein, nachdem er bei der Endrunde 2022 in Katar noch als vierter Offizieller tätig war.
Viel Zeit zum Nachdenken bleibt allerdings nicht, denn Kovács und seine Kollegen begeben sich schnell zu den Teambussen und machen sich auf den Weg zum Training am Kendall Campus des Miami Dade College – eine halbstündige Fahrt, die ihnen dank einer Polizei-Eskorte erleichtert wird.
Bei 33°C und tropischer Luftfeuchtigkeit macht sich eine Gruppe lokaler Nachwuchsspieler bereit für die Trainingseinheiten auf dem Platz und wärmt sich vor der Arbeit mit den Schiedsrichtern auf. Die sportlichen Betreuer führen eine Gruppe von Schiedsrichtern und Assistenten zu einem Nebenplatz, um dort Fitnessübungen zu absolvieren. Eine weitere Trainingsgruppe ist mit der Simulation von Spielsituationen beschäftigt. Unterstützt werden sie dabei von jungen lokalen Schiedsrichtern, die diese einmalige Gelegenheit nutzen, um den absoluten Elite-Vertretern ihres Berufsstandes zu helfen und ihnen gleichzeitig über die Schulter zu schauen.
Die körperliche Verfassung der Unparteiischen und ihre Belastung werden von Fitnesstrainer Silvio Aguinaga und seinem Team genau überwacht, die für jeden Schiedsrichter individuelle Trainingsprotokolle erstellen.
„Wir führen für jeden Schiedsrichter individuelle Aufzeichnungen und halten hier zudem Gruppen- und Einzelbesprechungen mit allen Schiedsrichtern und Assistenten ab“, erklärt Aguinaga, dessen Team Daten aus den GPS-Geräten nutzt, die während der Trainingseinheiten getragen werden.
„Nach dem Training verfolgen wir alles in Echtzeit, damit wir die Arbeitsbelastung jedes Einzelnen entsprechend den Tagen, an denen er pfeifen muss, und unserem täglichen Trainingsplan für jeden von ihnen steuern können“, fügt er hinzu.
Nach Trainingsende steigt Team One wieder in die Busse und kehrt zügig ins Hotel zurück, wo die tägliche Nachbesprechung im Schulungsraum stattfindet. Collina und der FIFA-Schiedsrichterdirektor Massimo Busacca gehen die wichtigsten Entscheidungen aus den Begegnungen der vergangenen Tage durch.
Dabei wird jede entscheidende Situation nicht nur auf die Richtigkeit der Bewertung durch den Schiedsrichter, sondern auch auf dessen Positionierung auf dem Spielfeld hin untersucht. Niemand kennt die Spielregeln besser als die Leute in diesem Raum, aber die Auslegung dieser Regeln im Kontext von Spielaufnahmen aus echten Partien bringt wichtige Fragen ans Licht, die es zu erörtern gilt.
Als Nächstes steht das Mittagessen auf dem Programm. Doch für ein Schiedsrichtertrio unter der Leitung des Engländers Michael Oliver ist es noch nicht ganz so weit – sie müssen sich bei einer Videoanalyse auf ihr nächstes Spiel (Niederlande gegen Schweden) vorbereiten. Die FIFA-Videoanalysten gehen auf die voraussichtlichen taktischen Formationen der beteiligten Mannschaften ein und zeigen bestimmte Spielzüge auf, die bei Standardsituationen und anderen Momenten während der Partie zu erwarten sind. Der Schiedsrichter und seine Assistenten sollen so viele Informationen wie möglich über die beiden Mannschaften erhalten, damit sie bestens vorbereitet sind.
Es ist aber keine einseitige Sache – Oliver befragt die Analysten und versucht, so viel wie möglich aus den Aufzeichnungen früherer Begegnungen herauszuholen. Aus seinen Fragen geht klar hervor, dass er nicht nur die Akteure seiner bisherigen Einsätze als Schiedsrichter im Vereinsfussball gut kennt, sondern sich auch gründlich mit beiden Mannschaften auseinandergesetzt hat.
Für Oliver und seine Assistenten Stuart Burt und James Mainwaring ist das gut investierte Zeit, doch die sorgfältig zusammengestellten Videoclips erinnern daran, wie viel Vorbereitung solche Sitzungen erfordern – es ist quasi die „Vorbereitung auf die Vorbereitung“. Die Analysten verbringen Stunden damit, Spielszenen aller Mannschaften durchzugehen, und Oliver und sein Team wollen das Beste aus der Einheit herausholen.
Am Nachmittag stehen den Schiedsrichtern dank des umfangreichen Betreuerstabs, der ihnen zur Verfügung steht, verschiedene Möglichkeiten offen.
Für alle Schiedsrichter, die sich nach einer Partie in der Erholungsphase befinden, gibt es Behandlungsräume, in denen sie Massagen und Physiotherapie erhalten können, sowie einen Sportpsychologen, der bei Bedarf bereitsteht. Es gibt Räume, in denen man gemeinsam mit Kollegen und Ausbildern Livespiele verfolgen kann, sowie Bereiche zum Entspannen.
„Team One braucht einen Ort, an dem man sich ausruhen, Begegnungen anschauen und ein bisschen Dampf ablassen kann“, erklärt Jeremy Deleze, Leiter der Abteilung Schiedsrichterwettbewerbe und -betrieb bei der FIFA.
„Deshalb haben die Schiedsrichter hier Fernseher. Wir schauen uns gemeinsam die Partien an. Sie sollen dabei den Spielverlauf und die Mannschaften analysieren, deren Partie sie bald leiten werden. Natürlich gibt es bei uns auch Tischtennisplatten und eine PlayStation. Dieser Bereich eignet sich gut zum Entspannen und für geselliges Beisammensein“, fügt er hinzu.
Im gesamten Hotel gibt es Räume, in denen Experten für die jeweiligen Aufgabenbereiche im Einsatz sind, die für den reibungslosen Ablauf des gesamten Schiedsrichterbetriebs erforderlich sind. Es gibt Mitarbeiter für Transport und Unterkunft, die dafür sorgen, dass die Mitglieder von Team One stressfrei zu ihren Begegnungen an den Spielorten reisen können. Dabei wird jeder Aspekt ihrer Reise geplant und überwacht – vom Transport zum Flughafen über die Abholung, den Check-in im Hotel bis hin zum Transfer zum Stadion.
„Wir haben sehr, sehr wichtige Leute, die unsere Schiedsrichter unterstützen und versuchen, ihnen bei der Vorbereitung zu helfen. Sie sind in mehreren Etagen des Hotels untergebracht“, so Collina.
Nichts wird also dem Zufall überlassen. Genauso wie die Schiedsrichter und ihre Assistenten in Topform sein müssen, wenn sie im Rampenlicht stehen, wissen auch diejenigen hinter den Kulissen, dass sie jeden Tag ihr Bestes geben müssen, damit dieser komplexe und entscheidende Teil der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ reibungslos funktionieren kann.
Zum Abendessen gibt es dann ein auf Fitness und Ernährung ausgerichtetes, kalorienkontrolliertes Menü, das vom Teamkoch zubereitet wird. „Wenn sie wollen, können sie sich natürlich noch ein Spiel anschauen. Aber dann ist es Zeit, schlafen zu gehen, und sie werden sicher sehr müde sein“, so Collina.
Für einige von ihnen ist es die letzte Nacht vor ihren Flügen zu den Spielorten, wo die Partien vor einem riesigen Publikum stattfinden und weltweit für Millionen von Zuschauern übertragen werden.
Der Druck und die Aufmerksamkeit rund um diese Begegnungen sind enorm, aber diese Männer und Frauen würden es nicht anders haben wollen. Sie haben ihre gesamte Karriere darauf hingearbeitet, und ihr Betreuerstab steht ihnen in diesem Engagement in nichts nach.
Der Reiz des Fussballs liegt unter anderem in seiner Unvorhersehbarkeit, doch die Schiedsrichter haben bei ihren Vorbereitungen nichts dem Zufall überlassen. Obwohl ihre Ansprüche hoch sind, ist ihr Ziel bescheiden: die Spieler sollen glänzen, die Fans sollen unterhalten werden und der Wettbewerb soll fair und gerecht verlaufen.
Sie werden von niemandem angefeuert und erhalten kaum Lob von den Medien, aber wenn sie zur Basis zurückkehren und wieder bei ihrem Team sind, werden die Händedrücke und die herzlichen Worte ihrer Kollegen von Team One für sie Lob genug sein.