FIFA
Dienstag 30 Juni 2026, 20:30

Zwischenbilanz von FIFA-Schiedsrichterdirektor Pierluigi Collina zu den Regeländerungen bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2026™

  • Erfolgreiche Bekämpfung von Zeitspiel durch gezielte Massnahmen

  • Umfassende Aufklärung von Trainern, Spielern und Medienvertretern über die neuen Regeln vor Turnierbeginn

  • Deutlicher Rückgang der Spielerverletzungen

Von Pierluigi Collina, FIFA-Schiedsrichterdirektor und Vorsitzender der FIFA-Schiedsrichterkommission

Im Vorfeld der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2026™ wurden mehrere Regelanpassungen beschlossen, um Zeitspiel einzudämmen und die effektive Spielzeit zu erhöhen.

Die Fünf-Sekunden-Regel bei Abstössen und Einwürfen, die Zehn-Sekunden-Frist für ausgewechselte Spieler beim Verlassen des Spielfelds sowie der einminütige Aufenthalt ausserhalb des Spielfelds nach einer Verletzung sind alles Massnahmen, die sich als äusserst wirksam erwiesen haben und einhellig als positive Neuerungen bewertet werden.

Diese neuen Regeln wurden den Trainern und Spielern vor der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2026™ im Rahmen eines Trainerseminars sowie in Onlinesitzungen mit den Teams erläutert. Auch die Medien wurden darüber informiert, damit die neuen Regeln in der gesamten Fussballgemeinschaft verstanden und akzeptiert werden.

Im Grossen und Ganzen wurden die Regeländerungen gut eingehalten. In den 72 Gruppenspielen hielt lediglich ein ausgewechselter Spieler die vorgeschriebene Zehn-Sekunden-Frist nicht ein. Gleichzeitig liefen viele Spieler bei ihrer Auswechslung zügig zur Seitenlinie, um das Spielfeld schnell zu verlassen – selbst bei einer Führung ihrer Mannschaft.

FIFA Referees' Training in Miami

Die Fünf-Sekunden-Frist bei Abstössen wurde viermal überschritten, worauf die gegnerische Mannschaft jeweils einen Eckball erhielt. Bei Einwürfen kam es zu elf Verstössen, wobei der Einwurf jeweils dem Gegner zugesprochen wurde.

Die Zahl der Verletzungen ist deutlich zurückgegangen, und nur in sehr wenigen Fällen mussten die medizinischen Teams eingreifen. Auch das allgemeine Verhalten war bislang vorbildlich: Gegen Spieler und Trainer wurden wegen Reklamierens lediglich je zwei Verwarnungen ausgesprochen.

Von den bislang zehn Feldverweisen wurden sechs für das Vereiteln einer offensichtlichen Torchance ausgesprochen und lediglich einer für das Bedecken des Mundes während einer Auseinandersetzung mit einem Gegenspieler.

In den Onlinesitzungen vor Beginn der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2026™ wurden die Trainer und Spieler über die Auslegungskriterien der Schiedsrichter u. a. bei Zweikämpfen und Handspielen informiert.

Zur Steigerung des Spieltempos wurde den Schiedsrichtern empfohlen, gewöhnliche Zweikämpfe nicht zu ahnden und besonderes Augenmerk auf bestimmte Spielsituationen zu legen, die sich aus der Taktik einzelner Mannschaften ergeben können.

Ein Beispiel dafür sind Angreifer, die versuchen, Verteidiger an ihren Bewegungen zu hindern. Das Behaupten einer Position ist an sich kein Vergehen. Bewegt sich ein Angreifer jedoch bewusst – wenn auch nur minimal –, um einen Gegenspieler zu behindern, anstatt den Ball zu spielen, sollten der Schiedsrichter und gegebenenfalls der VAR eingreifen. Dies gilt insbesondere bei Situationen, in denen der gegnerische Torhüter dadurch an der Abwehrarbeit gehindert werden soll.

Die Trainer und Spieler wurden im Vorfeld entsprechend informiert. Es sollte daher niemanden überraschen, dass solche Vergehen von den Schiedsrichtern geahndet werden.

Goalkeeper Orlando Gill (Paraguay) and Waldemar Anton (Germany, top, center)